Bericht von der Landessynode

Vom 22.-26. November tagte die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern.

Die Landessynode ist das höchste demokratisch gewählte Gremium der Landeskirche.

Dr. Kerstin Pechtold-Kuch ist Vertrauensfrau des Kleinheubacher Kirchenvorstands und Mitglied der Landesynode. Im Interview spricht sie über Ihre Eindrücke

Pfarrerin Kreile:  Wie haben Sie den Auftakt der ersten Tagung in Geiselwind erlebt?

Pechtold-Kuch: Die Wahl zur Landessynode fand im Dezember 2019 statt – gewählt wurden die Synodalinnen und Synodalen von den Kirchenvorständen der Gemeinden. Noch vor der ersten Landessynode, die eigentlich für März 2020 in Bayreuth vorgesehen war, fand vom 7. bis 8. Februar ein Treffen der 108 Synodalen in Tutzing am Starnberger See statt. Es diente vor allem dem gegenseitigen Kennenlernen und einem ersten Einblick in die Arbeitsweise der Landessynode. Die geplante Konstituierende Sitzung im März 2020 in Bayreuth musste wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. Diese fand dann leider erst vom 11. bis 13.9.20 statt – unter Corona-Bedingungen in einem ganz anderen Ambiente: in einer Eventhalle im Autohof Strohofer in Geiselwind, direkt an der A3 gelegen, mit Assoziation an Lagerhalle mit künstlichen Laubbäumen und Lichterkette, umringt von Schnellrestaurants, Tankstellen, Sexshops und Spielhölle.

Der Einführungsgottesdienst fand nichtöffentlich im Kreis der Synodalen statt. Wir wurden in diesem Gottesdienst von Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm für unser Amt verpflichtet - das habe ich trotz der eher kühlen Umgebung als sehr stimmungsvoll und berührend erlebt. In den sich anschließenden zwei Tagen musste sich die Synode „neu finden“: sie besteht zu Zweidrittel aus neuen Synodalinnen und Synodalen, viele Entscheidungen über Ämter, Ausschüsse usw. mussten getroffen werden. Trotz dieser sehr arbeitsreichen Situation fanden gute menschliche Begegnungen statt.  Leider findet die kommende, für Ende November in Bad Kissingen geplante Synode nur virtuell statt. So ist es einerseits ein Neustart und doch würde ich mir natürlich den persönlichen Kontakt und Austausch wünschen.   

 

Pfarrerin Kreile Was war Ihre Motivation, sich für dieses Amt zu bewerben? Welche Erfahrungen und Prägungen mit Kirche und Glauben bringen Sie mit?

 

Pechtold-Kuch: Der Kirche fühlte ich mich seit der Kindheit verbunden, zunächst weil meine Eltern kirchlich sehr aktiv waren, teils auch noch sind. Ich selbst war ich in verschiedenen Bereichen der Kirche aktiv, z. B. im Kindergottesdienst und in der Jugendarbeit, bei der Kirchenzeitung … - Kirche gehörte zu unserem Alltag, war nicht wegzudenken. Besonders inspiriert war ich in der Jugend durch ökumenische Themen, las z. B. Hans Küng und setzte mich für mehr Ökumene in der Kirchengemeinde ein. Kirchentage begeisterten mich.  Und auch während meines Studiums blieb ich weiter aktiv und der Kirche verbunden, z. B. in der Studentischen Telefonseelsorge.

Die Rückkehr in die Heimat nach fast 30 Jahren hat mich geprägt. Das Studium hatte mich in verschiedene Städte geführt und ich kam zurück zu meinen Wurzeln, in den kleinen Ort, in dem ich auch aufgewachsen bin. Natürlich führte mich mein Weg damals auch in die alte Kirchgemeinde: die alte, wirklich schöne Kirche, die mich an meine Kindheit erinnerte. Und die Menschen dort. Manches hatte sich verändert, aber vieles war auch gleichgeblieben. Die Treue der Menschen zu, im wirklichen Sinne, IHRER Kirche hat mich sehr angerührt. Ich wollte gerne aktiv werden und bin 2012 in den Kirchenvorstand gewählt worden. Seit 2018 bin ich Vertrauensfrau des Kirchenvorstands.

Kirche begeistert mich: es ist ein ganz besonderer Ort – ich finde ein Sehnsuchtsort, wo Menschen sich auf einer anderen, einer tieferen Ebene begegnen. Unsere Evangelisch - Lutherische Kirche bietet etwas ganz Besonderes: in unserer Kirche kann man als Nicht-Ordinierter wesentliche Entscheidungen mittragen und mittreffen. Und unsere Kirche ist im Aufbruch, es wird spannend: wir haben die Chance, Altes neu zu entdecken und Neuanfänge zu wagen. Dies möchte ich gerne mitgestalten, deshalb habe ich mich damals zur Kandidatur entschlossen.  

Pfarrerin Kreile Sind Sie in besondere Ausschüsse der Landessynode gewählt worden?

Pechtold-Kuch: Man muss dazu wissen, dass es sehr verschiedene Ausschüsse der Landessynode gibt und ich möchte Sie einladen, sich auf der Internetseite der Landessynode hierüber zu informieren. Alle Ausschüsse sind wichtig: so blieb die Qual der Wahl. Für mich stand aber bereits vorher fest, dass ich mich, wenn möglich, in dem Ausschuss ‚Mission, Ökumene und Dialog‘ engagieren möchte. Wichtiger Einfluss: mein Mann ist katholisch, wir führen also eine konfessionsverbindende Ehe, auch er ist in seiner Kirche aktiv, so dass ökumenische Themen mich bis heute immer wieder beschäftigen.

Pfarrerin Kreile: Wie sehen Sie unsere Situation am bayrischen Untermain und die Entwicklung in unseren Diasporagemeinden?

 

Pechtold-Kuch: Schrumpfende Mitgliederzahlen, geringere finanzielle Möglichkeiten und Stellenkürzungen fordern uns neu zu denken. Es wird mehr als früher wichtig sein, die Kräfte zu bündeln, über die Grenzen zusammenzuwirken:

Zum einen innerhalb der Kirche, z. B. in Richtung anderer Gemeinden mit Partnergemeinden, Patenschaften, durch gemeinsame Konfirmanden- und Jugendarbeit, Kirchenchor, Besuchsdienste etc. Aber auch über die kirchlichen Gemeindegrenzen hinaus, in Richtung anderer Institutionen, z. B. der Kommunen. Und natürlich in Richtung von Menschen, die mit Kirche wenig zu tun haben, z.B. durch Vesperkirchenangebote, Musik, Konzerte, Gottesdienste an besonderen Orten. Im größeren Kontext sehe ich vor allem die Zusammenarbeit interkonfessionell (wie es z. B. im ACK schon geschieht) bzw. im interreligiösen Dialog. Ausschau halten nach neuen Kooperationsformen, einen christlichen Fußabdruck setzen, das halte ich für wichtig. Vieles ist dazu ja auch schon passiert, z. B. durch den Prozess „Profil und Konzentration“.

Pfarrerin Kreile: Eine persönliche Frage - Wo finden Sie Ihre Kraftquellen?

Pechtold-Kuch: Ich bin für vieles in meinem Leben sehr dankbar: für meinen Mann, meine Familie und unseren Freundeskreis. Ihre Unterstützung zu spüren, gibt mir sehr viel Kraft. In meinem Beruf darf ich täglich erleben wie sich Menschen innerlich weiterentwickeln und darf bei diesem Prozess unterstützen. Das erlebe ich als großes Geschenk. Ansonsten bin ich sehr naturverbunden und erlebe unsere wunderschöne Landschaft in diesen besonderen Zeiten nochmals besonders intensiv. Und nicht zuletzt stärkt mich mein Glaube immer wieder neu.

Pfarrerin Kreile: Und was gehört zur unverzichtbaren Aufgabe von Gemeinde am Ort? Was möchten Sie uns mit auf den Weg geben?

Pechtold-Kuch: Aus meiner Sicht ist es unverzichtbar, eine Heimat für die Gemeinschaft der Gläubigen zu sein, die in vielfältigen Gruppen und Veranstaltungen zum Ausdruck kommen kann.

Neue Wege gehen, sich entscheiden, bedeutet immer auch etwas sein lassen, Loslassen alter Gewohnheiten und Verändern alter Gewohnheiten. Das ist manchmal schmerzlich, kann uns aber auch zu ganz Neuem führen (dazu gibt es in der Bibel viele Beispiele). Auch aus meiner beruflichen Erfahrung weiß ich, dass in Krisen Chancen stecken, Chancen für Neuaufbruch und positive Veränderung.

Eines meiner Lieblingslieder heißt: „Vertraut den neuen Wegen, auf die euch Gott gesandt“. Dieses Vertrauen wünsche ich auch Ihnen und freue mich auf eine gute gemeinsame Zeit.  

Pfarrerin Kreile: Ich bedanke mich sehr herzlich für dieses Interview. Gottes Segen für Ihr Wirken in unserer Landessynode.

 

Zur Person

Dr. Kerstin Pechtold – Kuch ist 55 Jahre alt, verheiratet und lebt in Großheubach. Seit 2012 gehört sie dem Kirchenvorstand Kleinheubach an und ist seit 2018 Vertrauensfrau. Sie ist in Kleinheubach aufgewachsen und hat in der Jugendzeit mit Eltern und den beiden Schwestern in Miltenberg gelebt. Nach dem Abitur folgt das Studium der Psychologie in Marburg, Wien, Freiburg und Hamburg. Aus beruflichen Gründen kommt sie nach Würzburg zurück. 2011 wurde ihr eine Kassen-Praxis für Psychotherapie in ihrer alten Heimat Kleinheubach angeboten. Seitdem führt Frau Dr. Pechtold-Kuch eine eigene Praxis, zunächst in Kleinheubach und jetzt in Miltenberg.